Mit dem Auto zur Schule?

Immer wieder lese und höre ich von Menschen, die sich über diejenigen Eltern beklagen, die ihre Kinder morgens mit dem Auto in den Kindergarten oder zur Schule bringen. Empörung. Obwohl sie doch ganz in der Nähe wohnen! Unglaublich!

Wisst ihr was? Ich gehöre auch dazu. Und es wäre schön, wenn jeder mal vor seiner eigenen Haustür kehrt. Oft sind das nämlich Menschen, die gar keine eigenen Kinder haben. Die gar nicht wissen, wie so ein (früher) Morgen mit z.B. zwei kleinen Kinder zu Hause so abläuft. Dass man entweder eine ganze  Weile braucht, um die Schlafmonster überhaupt dazu zu bewegen, aus dem Bett zu klettern „Geh weeeg! Lass mich in Ruhe! Ich will noch schlafen!“ oder sie schon ziemlich früh am eigenen Bett stehen und krakeelen „Ich hab Hunger! Kannst du mir Frühstück machen?!“. In letzterem Fall ist man selbst vielleicht noch ganz verschlafen, muss sich erstmal aus der Decke schälen und schnell unter die Dusche springen. In der Zwischenzeit sollen die Kinder sich anziehen, vergessen das aber gerne und lenken sich damit ab, zu lesen, zu spielen oder sich zu zanken. Man bricht das Duschen dreimal ab, um Streit zu schlichten oder zumindest Schlimmeres zu verhüten.

Sind endlich alle fertig und sitzen am Frühstückstisch, wird hier gerne diskutiert, welche Sorte Wurst es nun sein soll für das Schulbrot, dass man die falsche Marmelade aufs Frühstücksbrötchen geschmiert hat oder es kippt ein Glas Wasser um und ergießt sich über den ganzen Tisch und die Klamotten. Also umziehen, neuer Versuch. Endlich fertig? Zähneputzen, Treppe runter, Schuhe und Jacken anziehen. Einfache Entscheidung? Neiiiin, auch hier wird wieder diskutiert. Warum kann man bei Regenwetter keine Sandalen anziehen? Wieso soll es bei strahlendem Sonnenschein denn nicht ausgerechnet die warm gefütterte Regenjacke sein? Oh, einer muss nochmal Pipi… spätestens dann ist zumindest mir so warm, dass ich eigentlich keine Jacke mehr brauche und mit dem Blick auf die Uhr langsam nervös werde, ob wir es noch pünktlich schaffen. Wer so einen Morgen einmal mitgemacht hat, kann vielleicht verstehen, warum ich an dieser Stelle nicht jeden Morgen völlig entspannt und relaxt jetzt mit zwei Kinder den etwa 20-minütigen Schulweg antrete. 20 Minuten für zwei erwachsene Beine, länger dauert es mit kurzen Kinderbeinen, deswegen dürfen sie mit Roller und Laufrad fahren. Wenn es klappt. Wenn nicht, dann steigen wir eben doch ins Auto. *seufz*

Wir steigen auch dann ins Auto, wenn ich auf dem Wege sowieso noch einige Aufgaben zu erledigen habe. Die Zeit, die ich dafür ohne Kinder zur Verfügung habe (bis ich sie wieder abholen muss), ist knapp. Ich nutze sie für Behördengänge, Einkäufe, Vorbereitungen für die Kochkurse, Blogartikel schreiben, manchmal einen Kaffee mit einer Freundin, allerlei ehrenamtliche Aufgaben, Mittagessen kochen und mehr. Und wir steigen ins Auto, wenn die Kinder kränkeln und das Wetter nichts Gutes verheißt. Mit Halsschmerzen muss man nicht noch Roller fahren und die kalte Herbstluft einatmen. Und auch dann, wenn ich weiß, das dieser Tag wieder mal voller Programm ist und für die Kinder sicher anstrengend wird (für mich übrigens auch!). Und natürlich erst recht dann, wenn ich Nachtdienst hatte und mir nichts sehnlicher wünsche, als ins Bett fallen zu dürfen.

Nun habe ich weder einen SUV, noch parke ich direkt in der Einfahrt, um anderen Schülern und Eltern die Sicht zu nehmen, um mal ein paar Klischees zu bedienen. Und manchmal fahre ich sogar noch langsamer, als ich es in der 30er-Zone ohnehin muss, weil ich vorsichtig an den kleinen Schülern vorbeifahre. Auch ich ärgere mich regelmäßig über Autofahrer, die einfach so vorbeibrausen mit viel zu hoher Geschwindigkeit.

Übrigens hatte ich heute ein sehr nettes Gespräch mit dem Verkehrskadetten, der morgens den Kindern hilft, über die Straße zu gehen. Die Verkehrsinsel ist nämlich direkt vor unserer Haustür. Ein engagierter Großvater, der diese Aufgabe ehrenamtlich jeden Morgen gerne übernimmt. Er berichtete, dass sich selbst nach einem Zeitungsaufruf für diese Aufgabe nur zwei Personen gefunden haben. Nicht zwei für diese Schule. Zwei für die ganze Stadt! Wenn nur die Hälfte der Leute, die immer über Eltern meckern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren; wenn also nur einige dieser Leute sich bereiterklären würden, so eine Aufgabe zu übernehmen, dann würden die Schulwege sicherer und in mir würde sich nicht so sehr das Gefühl breit machen, mich rechtfertigen zu müssen vor Personen, die einfach immer etwas zu meckern haben, aber selbst nicht die Initiative ergreifen. Deswegen erwähnte ich weiter oben das Kehren vor der eigenen Haustür.

Klar, auch mir ist es wichtig, dass mein Sohn den Schulweg lernt und irgendwann alleine gehen kann. Meine Tochter ist dafür noch zu klein, sie geht ja noch in den Kindergarten.

Gute Vorsätze sind also vorhanden. Morgen gehen wir wieder zu Fuß…

 

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